Die Linie S7Ost – beharrlich zum Ziel

Der Ostast der S7 ist mit schlechtem Takt und Verspätungen eine Problemstrecke. Der Grund: sie ist von Giesing bis Kreuzstraße – Ausnahme Begegnungsbahnhöfe – eingleisig, und zwar als einzige sogar im Gebiet der Landeshauptstadt (LHM). Gefahren wird bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Takt 20, bis Aying meist im alternierenden Takt 20/40 und bis Kreuzstraße meist nur einmal pro Stunde. Und das obwohl Kreuzstraße ein wichtiger Knotenpunkt ist, da von hier aus mit der Mangfalltalbahn sowohl Rosenheim als auch Holzkirchen (S3 und BOB) und das Oberland zu erreichen sind. 

Die Initiative S7Ostplus

2013 haben sich Bürger*innen der Anliegergemeinden zusammengetan, um sich aktiv für eine Verbesserung von Takt und Zuverlässigkeit einzusetzen. Um aber bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn ganztägig Takt 10 und bis Kreuzstraße Takt 20 zu fahren, ist der zweigleisige Ausbau der Strecke Voraussetzung!

Unterstützer und Beschlüsse

Hinter den Forderungen der Initiative stehen Landrat Göbel und alle Bürgermeister*innen entlang der Strecke. 2016 befürwortete auch die LHM den zweigleisigen Ausbau und forderte den Freistaat auf, in konkrete Planungen einzutreten. 2019 beschloss der Kreistag, die Verwaltung zu beauftragen, sich mit dem Freistaat und den Kommunen entlang der Strecke „über eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zum zweigleisigen Ausbau der S7Ost ins Benehmen zu setzen“.

Der Landkreis erklärte sich sogar bereit, Teile der Kosten zu übernehmen.  Leider trat hier die LHM auf die Bremse. Sie verweigerte die Beteiligung an den Kosten.

Außer der Zweigleisigkeit sollte noch die „Helfendorfer Spange“ in die Untersuchung aufgenommen werden: eine direkte Schienen-Verbindung der S7 zur Mangfalltalbahn. Hier sind stündliche Regionalzüge von Rosenheim/Bad Aibling Richtung Giesing/Ostbahnhof und umgekehrt vorgesehen.

Die gute Nachricht: Verkehrsministerin Schreyer hat den zweigleisigen Ausbau der Linie S7Ost aus der Rubrik „unter ferner liefen“ in „vorrangig zu bearbeitende Projekte“ hochgestuft. Das teilte die Ministerin uns bei einem Termin im Ministerium im August 2020 mit.

Die weniger gute Nachricht: Bisher (Stand Mitte März) ist noch kein Planungsauftrag an die DB ergangen.

Nadelöhr: Neuperlach-Süd (NPS)

Der Bahnhof NPS, mit bisher einem S-Bahn- und zwei U-Bahn-Gleisen, der über eine noch ungenutzte Bahnsteigkante verfügt, wird umgebaut. Denn der U-Bahn-Betriebshof wird bis 2026 erweitert. Die U5 soll (in ferner Zukunft) nach Ottobrunn/Taufkirchen verlängert werden.

Aus Gesprächen mit MVG (U-Bahn) und DB (S-Bahn) wissen wir, dass die infrastrukturellen Abhängigkeiten zwischen U- und S-Bahn dort ernst genommen werden. Hilfreich ist, dass die Ministerin sich klar für den durchgängig zweigleisigen Ausbau ausgesprochen hat. Denn ohne ein zweites S-Bahn-Gleis kann es zusätzlich zum 10-Minuten-Takt der S7 keinen Regionalexpress von bzw. nach Rosenheim geben. 

Aus unserer Sicht bietet sich ein Rendezvous-Bahnhof mit getrennten Richtungsbahnsteigen an. D. h., auf den östlichen Gleisen fahren U- bzw. S-Bahn stadteinwärts, auf den westlichen Gleisen stadtauswärts. Entsprechende Pläne haben wir MVG und DB vorgelegt.

Erreichtes

Durch viel Ausdauer und dank der Unterstützung von Experten (Büro BKS) haben wir bisher viel erreicht. Besonders hervorzuheben ist, dass auch die Kommunalpolitiker jetzt das Thema S7Ost gemeinsam angehen und dass es bei der Landespolitik einen hohen Stellenwert hat. Bei der letzten Tarifreform ist es uns gelungen, eine Tarifgrenze innerhalb der Gemeinde Aying zu verhindern. Auch haben wir immer wieder Taktverbesserungen erkämpft – speziell in den Vor- und Nachmittagsstunden. Wir wehren uns aber strikt gegen schlecht durchdachte aber populistisch vorgetragene Behelfslösungen. Vor allem wenn dafür Umbauten nötig sind, die später wieder zurückgebaut werden müssen. Denn – alter Handwerkerspruch – „nichts hält länger als ein Provisorium“.

Nortrud Semmler
Jürgen Stanke
Initiative S7Ostplus